"Fühle mich nicht wie ein wohlhabender Rentner": Jean mit 2500 Euro monatlich weigert sich, Kürzung seiner Rente hinzunehmen

Johannes Harder, Focus online, 17. April 2026.

Frankreich ist hoch verschuldet – eine Entlastung könnte die Kürzung der Rentenbezüge bringen. In einem Beitrag des französischen Senders "RMC" wurde dieser Ansatz heftig diskutiert.

Rentenkürzungen, um die Staatsverschuldung zu verringern: Diese Maßnahme wurde unter anderem kürzlich in einer Debatte des französischsprachigen Senders "RMC" diskutiert. Jean, der in der Sendung zu Wort kam, äußerte sich allerdings dagegen: "Ich fühle mich nicht wie ein wohlhabender Rentner".

Weiter führte er aus: "Wenn man die Grundsteuer, die Rechnungen und die Stromkosten bezahlt hat, bleiben einem nur noch 700 € netto im Monat übrig, um sich selbst etwas zu gönnen und die Enkelkinder zu verwöhnen." Der Mann erhalte eine Rente von 2500 Euro netto.

Viele haben das Gefühl, heutige Rentner hätten von besseren Bedingungen profitiert

Gegenwind erhielt Jean sofort vom Ökonom Pierre Rondeau: Der Rentner erhalte mehr als 50 Prozent der Bevölkerung. Viele in Frankreich hätten zudem das Gefühl, die aktuellen Rentenbezieher hätten früher bessere Bedingungen gehabt, während sie heute von der arbeitenden Bevölkerung profitierten, so "RMC".

Frankreich zählt seit Jahren zu den Spitzenreitern in Sachen Staatsverschuldung

Eine neue Umfrage des französischen Marktforschungsinstituts IFOP enthüllte kürzlich, 81 Prozent der Franzosen machten sich Sorgen um die aktuelle Staatsverschuldung, so die Tageszeitung "La Tribune". Immer wieder wird dabei eine Kürzung der Altersrenten diskutiert – circa die Hälfte der Rentner stimmte diesem Vorschlag laut der Umfrage sogar zu.

In der EU zählt Frankreich zu den Spitzenreitern in Sachen Staatsverschuldung: Seit 2020 ist die Tendenz steigend, höher verschuldet sind nur Italien und Griechenland. Um drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes sollte ein Staat sich laut EU-Vorgaben höchstens verschulden: Im Jahr 2025 lag Frankreich bei 5,4 Prozent, so die Tagesschau.

In der EU könnten die Zinsen für alle steigen

In den kommenden Jahren könnte das in der EU und Deutschland dazu führen, "dass die Zinsen, die die internationalen Kapitalmärkte verlangen, für europäische Anleihen dann für alle steigen", so der Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn gegenüber der Tagesschau.

Von einer Staatsschuldenkrise wie 2010 in Griechenland sei Frankreich allerdings "Lichtjahre entfernt", meint der französische Wirtschaftswissenschaftler Nicolas Véron gegenüber dem Deutschlandfunk. Die Volkswirtschaft im Land sei breit genug aufgestellt und die Banken gesund genug, um das Minus zu stemmen.

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