Der renommierte Finanzwissenschaftler und langjährige Präsident des ifo Instituts Hans-Werner Sinn stellt sein neues Buch in Düsseldorf vor. Es heißt „Trump, Putin und die Vereinigten Staaten von Europa“ und bietet manch provokante These.
Die Tage werden seltener, an denen die Nachrichten am Morgen nicht diesen Eindruck bei den Menschen hinterlassen: Dass die Welt mehr und mehr aus den Fugen gerät, dass wenig noch verlässlich ist, was bis vor wenigen Monaten noch sicher zu sein schien. Was tun? An Warnungen mangelt es nicht, wohl aber an Lösungsvorschlägen, die über das Tagesgeschehen hinaus in die Zukunft weisen.
Auch der renommierte Finanzwissenschaftler und langjährige Präsident des ifo Instituts Hans-Werner Sinn beginnt in seinem neuen Buch erst einmal mit einer Art Abrechnung und listet auf, was Deutschland und Europa in den zurückliegenden Jahren so alles versäumt haben. Und das ist nicht gerade wenig: Die Bevölkerung sei inzwischen überaltert, die Geburtenraten weiterhin niedrig, die Schulen nicht konkurrenzfähig, die Infrastruktur verlottert – und militärisch kaum verteidigungsfähig und im Grunde schutzlos. „Heute stehen wir Putin blank gegenüber und müssen Trump Schutzgeld zahlen“, so der emeritierte Hochschullehrer der München Ludwig-Maximilians-Universität gegenüber der FAZ.
Vergleichbare Expertisen hört man derzeit oft, wenn auch nicht immer so unverblümt. Denn das Buch des 78-Jährigen mit dem Titel „Trump, Putin und die Vereinigten Staaten von Europa“ ist weniger als eine Analyse gedacht – auch wenn sich Sinn auf den knapp 350 Seiten darum bemüht, sondern mehr um einen Weckruf. Vorbei sind nach seinen Worten die Zeiten, in denen man es sich in der vermeintlich schönen neuen Welt eines ewigen Friedens gemütlich machen und sich der Work-Life-Balance widmen konnte.
Auch ein bisschen Polemik soll nicht vertuschen, dass wir derzeit nach seiner Einschätzung nicht weniger als eine „tektonische Verschiebung der globalen Machtverhältnisse“ erleben. In dieser Polykrise ergibt sich für Hans-Werner Sinn aber auch eine große Chance. Nämlich das umzusetzen, was schon Konrad Adenauer und Helmut Kohl vorgeschwebt hat: statt einer Transfer- oder Währungsunion eine militärische Verteidigungsunion zu gründen.
Neben dem ebenso dringenden Wiederaufbau der ökonomischen Wettbewerbsfähigkeit Europas geht es ihm vor allem um die Schaffung einer politischen Union samt gemeinsamer Armee. Konkret schwebt ihm nicht weniger als die Gründung eines Europäischen Bundes vor in einer Struktur außerhalb bestehender EU-Verträge. Dieser Bund solle die Armeen von Mitgliedstaaten – wobei er auch Großbritannien einbeziehen würde - unter ein demokratisch legitimiertes Oberkommando stellen; mit klarer Zuständigkeit für Verteidigung und Grenzsicherung. Aber es müsse schnell gehen.
Über all das wird Hans-Werner Sinn am Dienstag, 28. April, um 19.30 Uhr im Theater an der Kö im Gespräch mit Michael Busch darstellen. Der Eintritt kostet 20 Euro; Tickets sind in der Thalia-Buchhandlung und online unter thalia.reservix.de erhältlich.
Nachzulesen auf www.rp-online.de.