Hans-Werner Sinn

Nationalökonomie & Finanzwissenschaft

"Deutlicher Schub für das Wachstum"

Interview mit Hans-Werner Sinn, Rheinische Post, 08.01.2003, 2

Die Amerikaner wollen über ein 600-Milliarden-Dollar-Programm ihre Konjunktur wieder in Schwung bringen, davon allein 50 Milliarden in diesem Jahr. Wird das klappen?

Sinn: Das ist ein erhebliches Programm, das immerhin ein halbes Prozent des amerikanischen Sozialprodukts umfasst. Mit den Folgewirkungen könnte das einen Wachstumsschub von bis zu einem Prozent auslösen. Das ist schon etwas.

Hilft das auch der Weltwirtschaft weiter?

Sinn: Die US-Wirtschaft ist immerhin die größte Ökonomie der Welt. Insofern wirkt das Programm auch auf die Weltwirtschaft. Weil Asien - mit Ausnahme Japans - ohnehin wächst, wären zwei Pfeiler der Weltwirtschaft damit stabilisiert.

Die Wirksamkeit von Programmen zur Ankurbelung der Nachfrage gilt als begrenzt.

Sinn: Kurzfristig helfen solche Programme auf jeden Fall. Langfristig können aber Nachfrageprogramme, vor allem, wenn sie die staatlichen Ausgaben erhöhen, die Weichen falsch stellen. Bei Steuersenkungen, wie sie die US-Regierung vorsieht, ist das aber nicht der Fall.

Was muss Deutschland tun?

Sinn: Deutschland kann sich wegen seiner hohen Haushaltsdefizite kein Konjunkturprogramm erlauben. Da besteht kein Spielraum mehr. Wir können die Steuern senken, müssten aber gleichzeitig auch die Ausgaben zurückführen. Das ist jedoch politisch nicht einfach.

Wo besteht noch Spielraum zum Sparen?

Sinn: Wenn alle staatlichen Leistungen nur noch mit der Inflationsrate stiegen, wären wir ein ganzes Stück weiter. Das gilt insbesondere für die laufende Tarifrunde im Öffentlichen Dienst.

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