Top-Ökonom mahnt: Deutschland „driftet immer mehr in die Richtung der Besitzstandswahrung der Rentner“

Lisa Mayerhofer, Merkur online, 7. Januar 2026.

2026 strebt die Merz-Regierung eine tiefergehende Renten-Reform an. Top-Ökonom Hans-Werner Sinn kritisiert die momentane Situation des deutschen Rentensystems mit klaren Worten.

Berlin – Neues Jahr, neuer Reformversuch. Die schwarz-rote Koalition unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) will 2026 eine grundlegende Reform des deutschen Rentensystems anstreben. Von dem 2025 von der Merz-Regierung beschlossenen Rentenpaket hält der Top-Ökonom und frühere Präsident des Münchener ifo Instituts, Hans-Werner Sinn, herzlich wenig.

Sinn kritisiert Rentenpaket der Merz-Regierung als „wirtschaftsfeindlich“

„Die Beschlüsse zur sogenannten Haltelinie bei der Rente sind wirtschaftsfeindlich“, sagte Sinn in einem aktuellen Interview mit der Welt. Schon im November betonte der Ökonom in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“, dass die Babyboomer-Generation „zu wenige Kinder bekommen habe und jetzt Schulden mache, um für sich selbst die Konsequenzen zu vermeiden“. So entstehe eine Schieflage zwischen den Generationen, warnt der 77-Jährige.

Die Jungen – die zum Teil noch gar nicht geboren seien – würden dabei übermäßig belastet. Sinn forderte deshalb eine Anhebung des Renteneintrittsalters um zehn Monate, um die Haltelinie bei 48 Prozent zu lassen. „Zehn Monate länger arbeiten – das wäre der sozialverträglichste Weg“, sagte er in der Sendung.

Kanzler Merz: „Wir werden im nächsten Jahr grundlegende Reformen beschließen müssen“

Doch diesen Weg ist die Merz-Regierung nicht gegangen: Mit dem umstrittenen Rentenpaket soll das Rentenniveau bis zum Jahr 2031 auf 48 Prozent des aktuellen Durchschnittseinkommens festgeschrieben werden, was hohe Kosten verursachen wird. Die Regierung setzte aber auch eine Rentenkommission ein, die 2026 tiefgreifendere Maßnahmen für weitere Rentenreform vorschlagen soll. 

Kanzler Merz ging in seiner Neujahrsansprache auf das Problem ein: Da die Gesellschaft älter werde und geburtenstarke Jahrgänge in Rente gingen, werde es 2026 darauf ankommen, „eine neue Balance in unseren sozialen Sicherheitssystemen zu schaffen, mit der die Anliegen aller Generationen fair in Einklang gebracht werden“, so Merz. Der Kanzler sagte: „Wir werden im nächsten Jahr grundlegende Reformen beschließen müssen, damit unsere Sozialsysteme auf Dauer finanzierbar bleiben.“

Top-Ökonom Sinn spricht von „Besitzstandswahrung der Rentner im Umlagesystem“

Dass die Merz-Regierung gegensteuern muss, das hält auch Sinn in dem Interview mit der Welt für nötig. „Das Land driftet immer mehr in die Richtung der Besitzstandswahrung der Rentner im Umlagesystem und vernachlässigt die Anreize, die junge Leute davon abhalten, sich in die Hängematte zu legen oder auszuwandern“, warnt der Top-Ökonom. „Die wachsende Belastung der Sparer und Erblasser erstickt zudem den Anreiz, Kapital zu bilden.“ Die Kapitalbildung sei aber der wesentliche Treiber des wirtschaftlichen Wachstums. Quellen: Welt, ZDF, Agenturen

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