Was haben die AfD und Top-Ökonom Hans-Werner Sinn gemeinsam? Beide halten es für verkehrt, mit nationalem Klimaschutz die Erderwärmung bremsen zu wollen. In der Tat ist unser Beitrag zu den globalen Treibhausgasemissionen nur noch so gering, dass sich der Planet auch mit einem klimaneutralen Deutschland genauso stark erhitzen würde.
Was unterscheidet die AfD von Hans-Werner Sinn? Die AfD erzählt, der Klimawandel sei kein Problem, und außerdem habe es ihn schon immer gegeben. Ex-ifo-Präsident Sinn hat den Treibhausgaseffekt durch die beschleunigte Verbrennung von Kohle, Gas und Öl – und die unabwendbaren Folgen – als einer der Ersten wunderbar verständlich beschrieben.
In den vergangenen Tagen war es in Deutschland heiß wie nie. Und es ist erst Juni. Aus dem Dilemma, dass Alleingänge den globalen Backofen nicht abschalten, gibt es nur einen Ausweg: Die Staaten- und Völkergemeinschaft muss es gemeinsam tun. Als Ergänzung zum Paris-Abkommen hatte Sinn dafür einen Klima-Club gefordert: Die Mächtigen müssen im Kampf gegen Hitze und Dürre ihre Macht bündeln, weil der Feind ein gemeinsamer ist.
Das Tragische, ja Unbarmherzige unserer Zeit ist, dass das Arbeiten an gemeinsamen Zielen weniger klappt, als es als Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg lange möglich erschien. Und dass die Europäer im Kampf um Macht, Wirtschaftskraft und Abhängigkeiten unter die Räder zu geraten drohen. Nicht nur beim Klimaschutz, aber eben auch. Von Putins billigem Gas zu Trumps teurem Gas. Vom Export toller Diesel und Benziner nach China zum Import billiger E-Autos. Und bei dem Versuch, CO2 zu verteuern, damit sich die Nutzung fossiler Energie nicht mehr lohnt,zerlegen sich die Europäer gerade selbst.
Die Schwächung internationaler Zusammenarbeit beim Klimaschutz ist umso bedrückender, weil eine zweite Hoffnung gerade zu ersterbendroht:Dassirgendwann so viel CO2 aus der Atmosphäre gesaugt werden kann, dass die Temperaturen wieder sinken. Wie so oft gilt wohl auch hier: Es klingt zu schön, um wahr zu sein.
Am Ende hilft alles nichts. Damit die Bedingungen, zu leben und zu wirtschaften, in unseren Breitengradenso gut bleiben, wie sie sind, müssen die globalen Emissionen schnellstmöglich gegen null gesenkt werden.
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