Briefe und Leserbriefe zur Berichterstattung über die Finanzkrise im November und Dezember 2008

Bundespräsident Horst Köhler, Friedrich Merz, Arnulf Baring und Hans-Werner Sinn wurde 2008 in Die Zeit vorgeworfen als „Propagandisten der regellosen Marktwirtschaft und Gegner des Staates“ mitschuldig an der Deregulierung der Banken zu sein, die die Wirtschaftskrise herbeigeführt habe. Sinn reagierte darauf mit einem Leserbrief, in dem er betonte, dass der Vorwurf auf ihn nicht zutreffe, weil er sich stets für eine schärfere, statt für eine schwächere Regulierung der Banken ausgesprochen habe, die Verfasserin also insofern einem Irrtum erlegen sei.

In der Tat hat Sinn bereits in seinen Yrjö Jahnsson Lectures, die unter dem Titel The New Systems Competition im Jahr 2003 bei Basil Blackwell erschienen, darauf hingewiesen, dass der Wettbewerb der Staaten oder Regulierungsbehörden zu einem Laschheitswettbewerb degeneriert, und dass man diesem Wettbewerb durch harte, harmonisierte Mindeststandards entgegen wirken müsse. Die Banken würden, so Sinn, wegen der zu laschen Regulierung im Übermaß riskante Geschäfte betreiben, weil sie asymmetrisch an den Gewinnen und Verlusten beteiligt seien. Die Gewinne würden sie privatisieren und die Verluste der Allgemeinheit überlassen. Dass eine solche Asymmetrie zu einer übermäßigen Risikovorliebe führt, war schon Gegenstand der 1977 eingereichten und 1980 als Buch bei J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) veröffentlichten Dissertation von Hans-Werner Sinn (siehe insbesondere Kapitel 3: Die Struktur der Risikopräferenz (PDF, 13978 KB) und Kapitel 5: Anwendungsgebiete (PDF, 15217 KB)).

Ähnlich äußerte sich Sinn auch in einer Kontroverse mit liberalen Ökonomen in der Fachzeitschrift FinanzArchiv, die im Gegensatz zu ihm die Auffassung vertraten, dass der Wettbewerb der Regulierungssysteme eine effiziente Bankenregulierung hervorbringe.

Debatte im FinanzArchiv:

Hans-Werner Sinn, „Risk Taking, Limited Liability and the Competition of Bank Regulators“, FinanzArchiv 59, 2003, S. 305–329; CESifo Working Paper No. 603, 2001; NBER Working Paper No. 8669, 2001.

Ernst Baltensperger, „Competition of Bank Regulators: A More Optimistic View. A Comment on the Paper by Hans-Werner Sinn“, FinanzArchiv 59, 2003, S. 330–335.

Peter Spencer, „Can National Banking Systems Compete?, A Comment on the Paper by Hans-Werner Sinn“, FinanzArchiv 59, 2003, S. 336–339.

Hans-Werner Sinn, „Asymmetric Information, Bank Failures, and the Rationale for Harmonizing Banking Regulation. A Rejoinder on Comments of Ernst Baltensperger und Peter Spencer“, FinanzArchiv 59, 2003, S. 340–346.

Eine Zusammenfassung von Sinns Beiträgen findet man in: Hans-Werner Sinn, Risk Taking, Limited Liability, and the Banking Crisis, Selected Reprints, ifo Institut, München 2009.

Weitere Briefe und Leserbriefe in Zusammenhang mit der Finanzkrise:

Leserbrief von Annette Marquardt an die FAZ vom 14.11.2008 zur Stellungnahme von Gerd Manke am 11.11.2008; veröffentlicht unter dem Titel „Banken-Regulierung“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.2008, Nr. 274, S. 8.

Brief von Hans-Werner Sinn an Helmut Markwort, Focus, vom 25.11.2008 zur Berichterstattung des Focus im November 2008 über die Aussagen von Hans-Werner Sinn zur Finanzkrise.

Brief von Hans-Werner Sinn an Dominik Wichmann, SZ-Magazin, vom 08.12.2008 zur Berichterstattung im SZ-Magazin im Dezember 2008Brief von Diana Brand vom 07.12.2008 an das SZ-Magazin zur Berichterstattung im Dezember 2008.